Naturpark Fünfseenland  – was bringt er für die Wirtschaft?




Verfasser:  Wolfgang Rapp, Verein zur Gründung eines Naturparks Fünfseenland e.V.

Ein Viertel der Fläche der Bundesepublik liegt unter dem Prädikat „ Naturpark“. Deren 98  sind es an der Zahl. Die geforderten Eigenschaften legt das Bundes-Naturschutzgesetz im Art. 11 fest:

  •      Größe mehr als 20 000 ha
  •      Überwiegend Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet
  •      Besonders geeignet für umwelt- und sozialverträgliche Erholungsformen
  •      Erhaltung einer durch vielfältige Nutzungsformen geprägten Landschaft
  •      Schutz der Arten- und Biotopvielfalt
  •      Pflege der kulturellen, handwerklichen und künstlerischen Identität und
  •      Förderung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe und Ansiedlung              innovativer  Firmen mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung.

Der letzte Punkt wäre ein Alleinstellungsmerkmal für das Fünfseenland. Einerseits gibt es schon vielfältige Ansatzpunkte in dieser Region, andererseits müssen wir uns um eine Weiterentwicklung des Naturpark- Gedankens bemühen, denn Naturschönheiten und herausragender Landschaftscharakter gehören zu den „Einrichtungsgegenständen“ aller bestehender Naturparke. Der Landkreis und seine Einbettung im Einzugsbereich einer der innovativsten Wirtschaftsregionen bundesweit bietet sinnvollerweise einem weitergreifenden Konzept im Modell der Nachhaltigkeit Raum.

     Ein Naturpark fordert den schonender Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Luft und Wasser. Dafür ortsnah trotzdem genügend Kapazitäten zur Verfügung zu haben ist ein Auftrag an Menschen und Firmen, an Infrastruktur und Bildungseinrichtungen. Welche Region hätte mehr an diesen Ressourcen zu bieten als der Landkreis Starnberg?

     Ein Naturpark sichert die Lebensqualität und trägt zur Festigung der „weichen “ Standortfaktoren bei. Ein attraktives Umfeld zieht automatisch Firmen und qualifizierte Arbeitskräfte an. An vielen Standorten weltweit ist dies zu beobachten und vielerorts bilden sich Kompetenzzentren. Letztendlich wird es darauf ankommen, inwieweit wirtschaftliche Entwicklung mit innovativen Produkten und Verfahren ein langfristiges
Wohlergehen einer Region garantieren kann. Dazu gehört der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Luft und Wasser. Der Wille zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und für neue Formen einer umweltschonenden und gleichzeitig optimalen Mobilität sind schon an sich Herausforderungen für innovatives Handeln.

     Die Vorbereitung auf ein nachfossiles Zeitalter mit der Nutzung aller Formen regenerativer Energieträger erhält gerade bei uns aufgrund geologischer Besonderheiten eine Chance in Form der Geothermie.

     Ein zukünftiger Naturpark „Fünfseenland“ könnte einerseits durch Erhaltung der landschaftlichen Schönheiten unseres Landkreises, aber auch durch Innovation und Förderung nachhaltiger Wirtschaftsweisen zur langfristiger Sicherung unserer Lebensgrundlagen beitragen. Nicht zu vergessen sind regionale Identität durch Pflege der kulturellen Tradition, des Kunsthand-werks und zeitgenössischer Kunst. Dafür gibt es schon heute ein breit gestreutes Angebot, dem lediglich in Bündelung und Vermarktung ein weiterer Schritt zu einem vielfältigen Kulturleben fehlt.

     Im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte und Arbeitsplätze, die sich mehr und mehr auf Forschung, Entwicklung, Information und Dienstleistung fokussieren werden, spielt die Attraktivität des Umfeldes einen immer größeren Anreiz zur Ansiedlung. Die Lage des Landkreises im Fünfseenland zwischen dem Ballungszentrum München und dem „Freizeitpark“ Alpen wird zu einem erheblichen Standortvorteil beitragen. Bereits heute liegt Starnberg in einem aktuellen Standort- Ranking in der Gunst der Wirtschaft an achter Stelle bundesweit.

     Wirtschaftliche Entwicklung wird immer mehr zur Grundlage einer Sicherung von Wohlergehen für zukünftige Generationen. Ob wir wollen oder nicht wird die Konkurrenz um Menschen und Ideen unsere Zukunft bestimmen. Daß dies nicht auf Kosten endlich vorhandener natürlicher Ressourcen geschieht, liegt in unserer Hand und wird letztendlich zum ausschlaggebenden Vorteil eines fortgeschrittenen Wirtschaftssystems.

     Wenn wir schon den freien Transfer von Menschen, Waren und Ideen nicht beschränken können (und nicht wollen), muß die Belastung der Umwelt – auf den einzelnen heruntergebrochen – kleiner werden. Dafür könnte das Fünfseenland zu einer Modell- Region entwickelt werden und der Naturpark- Gedanke – 60 Jahre nach seinem Entstehen – eine zeitgerechte gesellschaftlichspolitische Einortung erfahren.


Dr. Wolfgang Rapp                                    26.08.08
Pilsenseestr. 8
82211 Herrsching
Tel. 08152- 3620 
  
  • Titelbild: Bienen am Flugloch (Foto: S. Kistler)