Natur im Fünfseenland

Drumlin mit Kloster Andechs 
Auf dem höchsten Drumlin im Fünfseenland steht das Kloster Andechs über dem Ammersee (Foto: S. Kistler).

Jeder Naturpark repräsentiert eine einzigartige Landschaft mit ihrem besonderen Erscheinungsbild. Die Landschaft des Fünfseenlandes ist durch die Vielfalt ihrer von der Eiszeit geprägten Landformen gekennzeichnet. Sie hat einer Epoche der Erdgeschichte den Namen gegeben: der Würm-Eiszeit. Damals lag das Fünfseenland unter den Zungen der alpinen Gletscher mit einer Eismächtigkeit von mehreren hundert Metern. Als das Eis vor ca 12000 Jahren abschmolz, blieben die tief in den Untergrund geschürften Zungenbecken zurück, die heutigen Seebecken. Der vom Eis transportierte Gesteinsschutt bildet die Moränenhügel, die sich girlandenartig um die Seebecken legen. Die Abflüsse von Ammer- und Starnberger See - Amper und Würm - durchbrechen den Moränengürtel in schluchtartigen Tälern. Unter dem Eis entstanden aus abgelagertem Gesteinsschutt die Drumlins - langgestreckte, gerundete Hügelrücken , an deren Ausrichtung sich die damalige Fließrichtung des Eises ablesen läßt. Das Abschmelzen des Eises ging mit dem Zerfall der Gletscherzungen in riesige, schuttbedeckte Blöcke einher, um die das abfließende Schmelzwasser Sand und Geröll anhäufte. Nach dem endgültigen Abschmelzen blieben Vertiefungen im Gelände zurück - sog. Toteislöcher - die sich z.T. mit Wasser füllten und kleine Seen bildeten (Weßlinger See, Osterseen). Viele der nacheiszeitlichen Gewässer sind inzwischen ganz oder teilweise verlandet; von ihrer früheren Ausdehnung zeugen die zahlreichen Flach- und Hochmoore.

Eiszeitformen im Fünfseenland
Eiszeitliche Landformen im Fünfseenland  (Großes Bild)

 

Pflanzen- und Tierwelt

So groß wie die Vielfält der Landformen  ist die Biotop- und Artenvielfalt.

Immenblatt
Immenblatt  (Foto: S. Kistler)

Kennzeichnend für das Fünfseenland ist das Vorkommen zahlreicher alpiner Pflanzenarten, die während oder nach der Eiszeit hier heimisch geworden sind. Dazu gehören z. B.  mindestens sechs Enzian-Arten, das Narzissenblütige Windröschen oder die Dunkle Akelei. In den Mooren lebt eine spezialisierte Pflanzengesellschaft mit Mehlprimel, Fieberklee, den fleischfressenden Fettkraut- und Sonnentauarten und vielen anderen. Erstaunlicherweise haben auch wärmeliebende Arten im Fünfseenland geeignete Standorte gefunden: In den Buchen- und Mischwäldern des Moränengürtels der Elsbeerbaum, an sonnigen Waldrändern das prachtvoll blühende Immenblatt. Ein einzigartiges Naturdenkmal ist der Eibenwald bei Paterzell, mit über 2000 z.T. mehrhundertjährigen Eiben der größte Bestand dieser Baumart in Deutschland.

Biberspuren
Biberspuren an der Amper (Foto: S. Kistler)

Auch die Fauna des Fünfseenlandes bietet dem geduldigen Beobachter so manches schöne Erlebnis. Da sind zunächst die großen Seen, die als international bedeutsame Schutzgebiete insbesondere zur Zeit des Vogelzugs mit einem außerordenlichen Artenreichtum der Vogelwelt aufwarten. Der Biber - ursprünglich an der Donau wieder eingebürgert - hat inwischen flußaufwärts wandernd die Quellbäche erreicht. Weil diese Bäche z.T. Gewässergüteklasse 1 aufweisen, leben dort noch so seltene Wesen wie der Grüne Süßwasserschwamm und der Steinkrebs.

 

Fünfseenland - Kulturlandschaft mit reicher Tradition

Grünsink
Wallfahrtskirche Grünsink bei Weßling, erbaut 1763
(Foto: S. Kistler)

In der Kulturlandschaft des Fünfseenlandes haben die vielen Jahrhunderte seit Beginn der Besiedelung ihre Spuren hinterlassen: Keltische Grabhügel bei Herrsching, ein römischer Grabstein in der Kirchenmauer von Widdersberg. An die Zeit der Christianisierung erinnert der Nachbau einer Kirche im Archäologiepark Herrsching. Auf die Frühzeit der bajuvarischen Besiedelung gehen die zahlreichen Ortsnamen mit der Endung -ing zurück. Klöster (Andechs, Polling, Wessobrunn) waren im Mittelalter Kulturzentren und zugleich Grundherrschaft. Schlösser zeugen von der politischen Macht des Adels: der Grafen von Andechs, von Toerring, der Wittelsbacher.

Während das Fünfseenland bis ins 19. Jh. ländlich geprägt blieb, zogen v.a. der Starnberger See und das Würmtal Königshaus, Adel, wohlhabendes Bürgertum und Künstler an, die schloßartige Landsitze und Villen errichteten.

Eine Auswahl bedeutender Kulturdenkmäler und Orte regen Kulturlebens im Fünfseenland:

Museen: Schloß Seefeld, Buchheim-Museum, Starnberg ...
Traditionelle Künstlerorte: Weßling, Starnberg, Herrsching ...
Musikleben: Gauting, Seefeld, Andechs, Iffeldorf ...
Filmkultur: Seefeld, Starnberg, Herrsching, Inning ...
Historische Orte: Schloß Berg, Roseninsel ...
Orte religiöser Tradition: Andechs, Diessen, Wallfahrt Grünsink ...
Kunsthandwerk: Diessen...



Titelbild: Bäckerbichl bei Machtlfing, ein Drumlin (Foto: S. Kistler)