Land- und Forstwirtschaft in einem Naturpark „Fünfseenland“

Verfasser:  Wolfgang Rapp, Verein zur Gründung eines Naturparks Fünfseenland e.V.


     In einem Naturpark wird keinem Landwirt eine bestimmte Arbeitsweise vorgeschrieben.
Nutzung und Schutz sollen in einem künftigen Naturpark konzeptionell zusammengeführt werden um die natürlichen Gegebenheiten mit den wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu vereinen. In einem Abgleich der Interessenslagen von Landnutzern und Landschaftsschutz sollen Grundlagen für die naturschonende und nachhaltigen Ausrichtung landwirtschaft-licher Nutzung geschaffen werden. Dazu gehört die Förderung und Existenzsicherung der kleinteiligen Strukturen genauso wie der langfristige Erhalt des bäuerlichen Eigentums- und Kulturgutes.

     Ein Naturpark fördert die regionale Vermarktung einheimischer Produkte und trägt zu einem engeren Erzeuger- Verbraucher- Verhältnis bei. Wenn dies mit einer Qualitäts-offensive begleitet ist, steht einem gerechten Preis- Leistungsverhältnis nichts im Wege.
Die Zukunft der Landwirtschaft wird von der Qualität bestimmt, nicht von der Quantität,
die zwangsläufig dem Weltmarkt überlassen werden muss.

     Ein Naturpark kommt ohne Landwirtschaft nicht aus. Erhalt und Pflege der Kultur- Landschaft über Generationen hinweg wird neben der Sicherung der Ernährung einen Teil der gesellschaftlichen Leistung der Landwirtschaft darstellen. Dieser Auftrag zu einem umfassenderen Leistungsspektrum muss anerkannt und damit entsprechend vergütet werden. Die Landschaftspflege muss aus dem landwirtschaftlichen Nischendasein herausfinden, um zur Existenzsicherung landwirtschaftlicher Betriebe beitragen zu können.

     Nivellierung und Monotonisierung der Nutzflächen tragen neben weiteren Ursachen wie Flächenverbrauch, Nährstoffeintrag, Klimaveränderung und monopolistische Wirtschaftsinteressen zu einem dramatischen Artenschwund bei. Was heute noch unter dem Ausfall der „Allerweltsarten“ Lerche, Feldsperling und Amphibien nur sehr wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, kann für zukünftige Generationen verheerende Auswirkungen haben: Der Verlust des globalen Genpools ist gleichzusetzen mit dem Schwund trinkbarer Wasserreserven und der Abholzung letzter tropischer Wälder.

     Die oft beschworenen Nachteile eines Naturparks treffen für die Land- und Forstwirtschaft nicht zu:
Die Festlegungen einer Naturparkverordnung beinhalten keine zusätzliche
Auflagen hinsichtlich Einschränkungen in der Bewirtschaftung. In einem künftigen Naturparkgebiet gelten die einschränkenden Regelungen  exakt im Umfang der bestehenden gesetzlichen Auflagen des Natur- und Landschaftsschutzes und des Baurechts. Ein ggf. zusätzlicher Erlaubnisvorbehalt gilt nur innerhalb bereits jetzt bestehender gesetzlichen Grenzen.

 

Dr. Wolfgang Rapp                                   
Pilsenseestr. 8
82211 Herrsching
Tel. 08152- 3620 
  
  • Titelbild: Winterfeste Rinder bei Ettenhofen (Foto: S. Kistler)